Markus Masin erklärt, warum Bauchspeicheldrüsenkrebs die Ernährungsmedizin vor besonders komplexe Aufgaben stellt – und wie ein individualisiertes Therapiekonzept den Unterschied machen kann.
Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als eine der ernährungsmedizinisch anspruchsvollsten Krebserkrankungen überhaupt. Bereits früh im Krankheitsverlauf kommt es zu massivem Gewichtsverlust, Verdauungsstörungen und einem tiefgreifenden Eingriff in den gesamten Stoffwechsel – oft noch bevor die Diagnose gestellt wird. Prof. Dr. Markus Masin, Honorarprofessor und erfahrener Experte für klinische Ernährungsmedizin, hat sich intensiv mit den besonderen ernährungsmedizinischen Herausforderungen beim Pankreaskarzinom auseinandergesetzt und zeigt, wie ein strukturiertes, frühzeitig einsetzendes Ernährungskonzept die Lebensqualität der Betroffenen spürbar verbessern kann.
Beim Pankreaskarzinom ist Ernährungstherapie keine ergänzende Maßnahme – sie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Die Bauchspeicheldrüse spielt eine Schlüsselrolle in der Verdauung und im Blutzuckerstoffwechsel, und ein Tumor in diesem Organ stört beide Systeme gleichzeitig. Markus Masin aus Altenberge, dessen Forschungsschwerpunkte parenterale Ernährung, Kathetermanagement und Ernährung in der Onkologie umfassen, hat auf Basis wissenschaftlicher Evidenz und klinischer Erfahrung ein differenziertes Versorgungskonzept für Pankreaskarzinom-Patienten entwickelt. Ziel ist es, die Nährstoffversorgung zu sichern, Muskelmasse zu erhalten und die Voraussetzungen für eine bestmögliche Tumortherapie zu schaffen.
Warum das Pankreaskarzinom die Ernährung so massiv beeinträchtigt
Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ mit zwei grundlegend verschiedenen Funktionen: Sie produziert Verdauungsenzyme, die Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate im Dünndarm aufspalten, und sie reguliert über Insulin und Glukagon den Blutzucker. Ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse greift in beide Systeme ein – oft gleichzeitig und schon in einem frühen Stadium.
Die Folge ist eine exokrine Pankreasinsuffizienz: Die Produktion von Verdauungsenzymen nimmt ab, Nahrungsbestandteile werden nicht mehr ausreichend aufgespalten und können vom Darm kaum noch resorbiert werden. Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K, aber auch Eiweiß und essenzielle Fettsäuren gehen dem Körper verloren. Gleichzeitig verändert der Tumor den Stoffwechsel auf eine Weise, die weit über eine einfache Mangelernährung hinausgeht: Entzündungsprozesse, hormonelle Veränderungen und ein erhöhter Energieverbrauch treiben den Gewichtsverlust voran, auch wenn der Patient ausreichend isst.
Hinzu kommt, dass viele Patienten unter Übelkeit, Schmerzen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit leiden – Symptome, die eine ausreichende Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren. Der Gewichtsverlust beginnt häufig Monate vor der Diagnose und ist bei Diagnosestellung oft schon erheblich fortgeschritten.
Warum ist frühzeitige Ernährungstherapie beim Pankreaskarzinom so entscheidend?
Je früher die Ernährungstherapie einsetzt, desto besser lassen sich Muskelmasse und Funktionszustand erhalten – zwei Faktoren, die direkt beeinflussen, ob ein Patient eine Operation oder Chemotherapie verträgt. Prof. Dr. Markus Masin betont, dass eine spezialisierte ernährungsmedizinische Begleitung nicht erst dann beginnen sollte, wenn der Patient bereits stark abgenommen hat, sondern idealerweise unmittelbar nach der Diagnose. Wer frühzeitig handelt, schafft bessere Voraussetzungen für die gesamte Tumortherapie.
Ernährungstherapie beim Pankreaskarzinom: Die Konzepte von Prof. Dr. Markus Masin
Die ernährungsmedizinische Behandlung beim Pankreaskarzinom folgt keinem starren Schema. Sie muss sich an der individuellen Situation des Patienten orientieren – an der Lage und Größe des Tumors, dem Stadium der Erkrankung, der geplanten oder bereits erfolgten Therapie und dem aktuellen Ernährungszustand. Prof. Dr. Markus Masin verfolgt dabei einen differenzierten Ansatz, der alle diese Faktoren berücksichtigt und konsequent an Veränderungen im Krankheitsverlauf angepasst wird.
Enzymsubstitution: Die Basis der Ernährungstherapie
Der erste und grundlegendste Schritt bei exokriner Pankreasinsuffizienz ist die Substitution der fehlenden Verdauungsenzyme. Pankreasenzympräparate werden zu jeder Mahlzeit eingenommen und ermöglichen es dem Körper, Nahrungsbestandteile wieder aufzuspalten und zu resorbieren. Die Dosierung ist dabei keine Einheitsgröße – sie richtet sich nach der Menge und Zusammensetzung der Mahlzeit und muss individuell angepasst werden.
Markus Masin weist darauf hin, dass eine zu niedrige Dosierung die Malabsorption nicht ausreichend korrigiert, während eine zu hohe Dosierung unnötige Nebenwirkungen verursachen kann. Regelmäßige Kontrollen des Ernährungszustands und der Resorptionsparameter sind deshalb unerlässlich. Ergänzend dazu kann eine Anpassung des Mahlzeitenmusters – kleinere, häufigere Mahlzeiten statt weniger großer – die Verträglichkeit deutlich verbessern.
Ernährung vor und nach der Operation
Bei Patienten, bei denen eine Operation – etwa eine Whipple-Operation oder eine distale Pankreatektomie – möglich ist, kommt der präoperativen Ernährungsoptimierung eine besondere Bedeutung zu. Patienten, die gut ernährt in den Eingriff gehen, erholen sich schneller, haben weniger Komplikationen und tolerieren die postoperative Phase besser. Prof. Dr. Markus Masin empfiehlt daher, bereits in der Vorbereitungsphase gezielt auf eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr zu achten und bei Bedarf Trinknahrung oder enterale Ernährung einzusetzen.
Nach der Operation verändert sich die Anatomie des Verdauungstrakts erheblich – mit weitreichenden Konsequenzen für die Nahrungsaufnahme und -verwertung. Markus Masin aus Altenberge begleitet diese Patienten durch die komplexe postoperative Ernährungsphase und passt das Konzept Schritt für Schritt an die neue anatomische Situation an.
Wenn die orale Ernährung nicht mehr ausreicht
Nicht alle Patienten mit Pankreaskarzinom können ausreichend essen. Tumorbedingte Passagehindernisse, ausgeprägte Appetitlosigkeit, anhaltende Übelkeit oder die Nebenwirkungen der Chemotherapie machen es manchmal unmöglich, den Nährstoffbedarf über normale Mahlzeiten zu decken. In diesen Situationen kommen spezialisierte Ernährungsformen zum Einsatz.
Prof. Dr. Markus Masin entscheidet dabei sorgfältig, welche Form der Ernährungsunterstützung im jeweiligen Fall sinnvoll ist:
- Hochkalorische Trinknahrung als erste Ergänzung, wenn die orale Aufnahme zwar möglich, aber nicht ausreichend ist
- Enterale Ernährung über eine Sonde, wenn Schlucken oder die Magenpassage beeinträchtigt sind, der Darm aber noch funktioniert
- Parenterale Ernährung über die Vene, wenn der Magen-Darm-Trakt nicht oder nicht ausreichend genutzt werden kann
Die Entscheidung für eine dieser Optionen ist keine Einbahnstraße – sie wird regelmäßig neu bewertet und angepasst, sobald sich der Zustand des Patienten verändert.
Tumorkachexie: Wenn Ernährung allein nicht mehr ausreicht
Ein besonders schwieriges Kapitel ist die Tumorkachexie – ein komplexes Syndrom aus Gewichtsverlust, Muskelschwund und Stoffwechselveränderungen, das sich nicht allein durch eine erhöhte Kalorienzufuhr beheben lässt. Der Tumor verändert den Stoffwechsel so grundlegend, dass der Körper Muskelmasse abbaut, auch wenn ausreichend Nahrung zugeführt wird. Markus Masin betont, dass die Therapie der Kachexie ein multimodales Konzept erfordert – Ernährungstherapie in Kombination mit gezieltem körperlichem Training, entzündungshemmenden Ansätzen und bei Bedarf medikamentöser Unterstützung.
Folgende Maßnahmen haben sich im Umgang mit Tumorkachexie beim Pankreaskarzinom als besonders wichtig erwiesen:
- Ausreichende Eiweißzufuhr von mindestens 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich
- Gezielte Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren, die entzündliche Stoffwechselprozesse modulieren können
- Regelmäßiges Krafttraining zum Erhalt und Aufbau von Muskelmasse, soweit der Allgemeinzustand es erlaubt
- Engmaschiges Monitoring von Körpergewicht, Muskelmasse und relevanten Laborparametern
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der Erkrankungen, bei denen Ernährungstherapie den Verlauf tatsächlich mitgestalten kann – nicht als Wundermittel, aber als ernst zu nehmender medizinischer Baustein. Prof. Dr. Markus Masin steht für einen Ansatz, der diesen Baustein konsequent, individuell und evidenzbasiert einsetzt, um Patienten in einer der schwierigsten Phasen ihres Lebens bestmöglich zu unterstützen.




